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Lars Menz – Die Schanze

Lars Menz – Die Schanze

Ellen hat, zusammen mit ihrem Freund Christoph, einige Zeit in einer Klinik in Hamburg als Ärztin gearbeitet. Dann verließ Christoph sie, weil er vermutete, dass sie ihn betrog, was gar nicht der Fall war. Schließlich entschloss Ellen sich, die Klinik zu verlassen, da sie nach der Trennung nicht mit Christoph am selben Ort arbeiten wollte und in den Ort ihrer Kindheit am Alpenrand zurückzukehren, wo sie eine Hausarztpraxis übernehmen konnte.

Ihre Schwester Saskia, die diesen Ort nie verlassen hat und dort mit Mann und Kind lebt, nimmt sie am Bahnhof in Empfang und fährt sie mit ihrem Auto zur Praxis, die in einer älteren Villa untergebracht ist.

Statt den ehemaligen Inhaber der Praxis dort zu treffen, wie es verabredet war, empfängt sie eine Bedienstete des Arztes namens Martha Lehmann am Ort. Ellen hat versprochen, sie zu übernehmen. Von Martha erfährt sie, dass Doktor Schwarz bereits abgereist ist und dass sie ihr alles zeigen wird.

Ellen ist verärgert, weil sie mit Doktor Schwarz vereinbart hatte, dass er ihr die Praxis persönlich übergeben und einige wichtige Patientenakten mit ihr durchsprechen werde. Martha sagt, es sei nicht seine Art, solche Verabredungen nicht einzuhalten, und sie sei sich sicher, dass er bald noch einmal vorbeikommen und die Unterhaltung mit seiner Kollegin nachholen würde. Sie werde inzwischen die heiklen Fälle heraussuchen, damit sie die Akten studieren könne.

Aber nicht allein dies ist es, was Ellens Probleme mit ihrer neuen Arbeitsstelle in ihrer Heimatstadt ausmacht. Nach und nach wird klar, dass sie ein schlimmes Verbrechen vor Jahren zwang, ihre Heimat fluchtartig zu veranlassen, in der Fremde zu studieren und dann einen Job in einer weit entfernten Großstadt anzunehmen.

Nachdem Martha das Haus verlassen hat, schläft Ellen etwa zwei Stunden im kaum möblierten Obergeschoss des Hauses, in welchem sie später wohnen will, auf einer alten verschlissenen Matratze. Sie erinnert sich an ihre Schwester Saskia, die sie zum Abendessen eingeladen hat, als sie acht Nachrichten von ihr auf dem Handy sieht, nachdem sie aufgewacht ist. Saskia war es, die sie überredet hatte, nach ihrer Trennung von Christoph einen Tapetenwechsel vorzunehmen, in ihre Heimat zurückzukehren und die Praxis zu übernehmen. Und Saskia hatte darauf hingewiesen, dass ihr Vater bald sterben würde und sie gerne sehen wollte, bevor er tot war. Schließlich ließ sie sich überzeugen.

Für das Abendessen bei ihrer Schwester ist es allerdings nun schon zu spät, und sie hat ohnehin nicht den Wunsch verspürt, Saskias Mann Bruno so schnell zu sehen, den sie von früher kennt. Also zieht sie ihre Sportkleidung an, um joggen zu gehen. Beim Laufen konnte sie immer wieder zu sich selbst finden, was ihr aber in diesem Augenblick nicht gelingt. Vielmehr wird sie das Gefühl nicht los, beim Joggen nicht allein zu sein. Aber es mag die Erinnerung sein, die sie einholt, und die sehr viel schneller rennt als sie selbst.

 

Lass Menz schreibt mit Die Schanze einem Psychothriller, der diesen Namen verdient. Vermutet man das Böse eher in der Großstadt, wo viele verschiedene Menschen nebeneinander leben, so ist es in diesem Fall die Kleinstadt in den winterlichen Alpen, in der es zu Hause ist und die Protagonistin nicht nur gegenwärtig quält, sondern bereits in längst vergangenen Tagen gequält hat.

Der Autor beschreibt nicht nur die Psyche seiner Hauptfigur sehr intensiv und glaubhaft, sondern er versteht sich darauf, auch die anderen Charaktere, insbesondere den Mörder, sehr gut zu analysieren.

Trotz aller analytischen Genauigkeit des Erzählers bei der Beschreibung der verschiedenen Personen erscheint mir gerade das Motiv des Mörders, das ihn zu seinen Taten treibt und seine Psychopathologie entlarvt, als ein wenig abwegig und schon ein bisschen zu konstruiert.

Spannend allerdings ist dieser Thriller sehr wohl, und er weist auch eine gewisse Härte auf, sodass dieses Buch nicht für etwas zartbesaitete Leser empfohlen werden kann. Am Ende allerdings stellt der Autor den Leser mit einer Lösung zufrieden, die das Gefühl der Gerechtigkeit bei ihm erzeugt.

Fazit:

Lars Menz erzählt in seinem Buch eine Geschichte, die durch die psychologische Analyse der Charaktere besticht, wenn mir auch das Motiv des Täters als ein wenig konstruiert erscheint.

Bei diesem Urteil handelt es sich, wie ich betonen möchte, um eine Meinung, die keine Allgemeingültigkeit beanspruchen kann.

Ich kann diese Story dem Leser empfehlen, der Psychothriller der härteren Art gerne liest und auch verkraften kann.

Der Autor:

Lars Menz wurde 1972 in Bremen geboren, arbeitet als Journalist und studierte Geografie, Stadtplanung und Politik.

Er veröffentlichte den Roman Rauschen und verschiedene Kurzgeschichten, für die er zum Beispiel bei einem Wettbewerb des Literaturhauses Zürich ausgezeichnet wurde. Die Schanze ist sein erster Thriller. Ein weiterer ist in Arbeit und erscheint ebenfalls bei Ullstein.

Menz lebt mit Frau und zwei Töchtern in Hannover.

Quellen:

Bilder:

  • Cover des Buches. Mit freundlicher Genehmigung der Ullstein Buchverlage GmbH
  • Foto des Autors. Copyright: Andrea Seifert. Ebenfalls mit freundlicher Genehmigung der Ullstein Buchverlage GmbH

(ww)

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