Jim Buffalo – 30. Abenteuer – Kapitel 2
Jim Buffalo,
der Mann mit der Teufelsmaschine
Veröffentlichungen aus den Geheimakten des größten Abenteurers aller Zeiten
Moderner Volksbücher-Verlag, Leipzig, 1922
Das 30. Abenteuer Jim Buffalos
Jim Buffalos Teufelsfahrt
2. Kapitel
Ein belauschter Schurkenstreich
»Verdammt, dass wir nicht gleich den richtigen Wagen erwischt haben«, hörte er einen der Burschen fluchen. »Joe, du sagtest doch, dass du ganz genau wüsstest, in welchem Wagen die Goldbarren liegen?«
»Well, und wenn du da hineingekommen wärst, säße dir jetzt vielleicht ein Lot Blei in deinem vertrockneten Hirn!«, spottete der mit Joe Angeredete. »Aber das Ei will immer klüger sein als die Henne! Haha, ich fürchte die Burschen nicht, die die Barren bewachen, aber sie hätten doch Lärm geschlagen und dann wäre unser ganzer Plan vereitelt gewesen, den ich mir so schön zurecht gelegt und den auch die anderen gebilligt haben.«
»Du hast uns noch nichts davon gesagt!«, fuhr der Erstere unwillig auf.
»By and by, mein Boy!«, echote Joe. »Aber jetzt sollt ihr es erfahren, damit ihr euch danach richten könnt. Ihr wisst, dass wir beschlossen haben, uns der Goldbarren zu bemächtigen.«
»Und wir sitzen hier und legen untätig die Hände in den Schoß?«, meinte der dritte Kumpane.
»Wird noch verdammt viel Arbeit für euch geben. Die Hauptsache war, dass wir unbemerkt den Zug besteigen konnten, und das ist geschehen. Alles andere wird sich ganz von selbst abwickeln.«
»Und das wäre?«, fragten die anderen beiden wie aus einem Mund.
»Das Einfachste von der Welt!«, prustete Joe spöttisch auf. »In Laramie, wo der Zug drei Minuten Aufenthalt hat, steigt ihr beide aus und knallt, wenn sich der Zug wieder in Bewegung gesetzt hat, den Maschinisten und den Heizer über den Haufen. Trefft aber gut und sicher, sonst wäre alle Mühe und Arbeit vergebens.«
»Hoho, und dann sollen wir wohl hinter dem Zug herlaufen?«
»Well, beeilen braucht ihr euch just nicht damit, denn schon in den Schluchten des Evanspasses, bei der Brücke, drei Stunden hinter Laramie, werdet ihr auf den Zug stoßen. Dort sind die anderen bereits am Werk, den führerlosen Zug so aufzuhalten, dass er überhaupt nicht weiterkommen wird.«
»Teufel, der Zug soll zum Entgleisen gebracht werden?«, stieß der eine der Verbrecher schaudernd heraus.
»Well, so ist es beschlossen; eine bessere Gelegenheit würde sich nicht wieder finden, wenn wir erst einmal aus dem wilden Westen heraus sind. Wir haben dann nur noch nötig, die Goldbarren fein säuberlich aufzulesen und uns aus dem Staub zu machen. Ist der Plan nicht ausgezeichnet?«
»Well, bis auf die armen Teufel, die dran werden glauben müssen. Tut mir leid um die Gentlemen. Kalkuliere, sie hätten uns ihre Börsen auch freiwillig gegeben.«
»Pah, armseliger Wegelagererkram, bei dem nicht viel herauskommt«, spottete Joe. »Mit den Goldbarren sind wir reiche Leute und brauchen keine Verfolgung zu fürchten. Eine Uhr oder ein Ring würde euch schließlich doch an den ersten besten Baum bringen.«
»Und wer bürgt uns dafür, dass wir nicht betrogen werden?«, fragte der eine missmutig. »Wenn wir in Laramie die Burschen vorn auf der Maschine niederknallen sollen, warum tut ihr nicht mit?«
»Dummköpfe, weil einer im Zug sein muss, der den anderen das verabredete Zeichen gibt, dass alles in Ordnung ist«, fiel Joe zornig ein. »Als wir in Frisco abfuhren, wussten wir ja noch nicht, welcher Zug die Goldbarren mitführen würde. Na, seht ihr nun ein, was für Schlafmützen von Opossums ihr seid?«
»Hm, wie wollt ihr aber den Zug zur Entgleisung bringen?«
»Und das beantwortet ihr euch nicht selbst, wo ihr jahrelang in den Goldminen herumgebuddelt habt? Kalkuliere, gescheiter seid ihr dabei auch nicht geworden, sonst wüsstet ihr, wie schön es sich mit Dynamit sprengen lässt. Verdammt, es ist leider das Einzige, was wir aus dem Goldland mitgeschleppt haben, aber ich denke, das Goldgraben geht damit umso einfacher und schneller.«
»Es sollen also auf euer Zeichen hin Sprengbomben geworfen werden?«
»Well!«
»Hm, und das mit dem Zeichen geben?«
»Das ist mein Geheimnis, das ich euch eventuell für einen Anteil an der Beute gern ablassen werde!«, hohnlachte Joe. »No, no, Boys, jeder muss das Seine am Gelingen des Planes tun, sonst mag er sich zum Teufel scheren. Übrigens würdet ihr die Stelle, wo der Überfall geschehen soll, kaum so kennen wie ich, und nur den Augenblick verfehlt, könnte die ganze Sache infrage stellen. Tut, was ich euch befohlen habe, und ihr werdet euren Anteil an der Beute haben, wie ich!«
Noch eine ganze Weile suchten die beiden Gauner Joe sein Geheimnis zu entlocken, aber der hüllte sich nun hartnäckig in Schweigen. Sodass der eine endlich erklärte: »Gut, den Maschinisten werde ich auf mich nehmen, und für sein Leben zahle ich jetzt keinen Cent mehr, obwohl ich einen solchen gar nicht besitze. Hütet euch aber, uns hintergehen zu wollen! Meine Kugel würde auch euch zu finden wissen und dann werde ich noch besser zielen!«
Damit schien der Friede zwischen dem verbrecherischen Trio wieder hergestellt. Joe entnahm seiner Tasche eine Flasche mit Branntwein und ließ sie, nachdem er einen kräftigen Schluck daraus getan hatte, in der Runde kreisen.
Dann entnahmen sie ihren Taschen ein Spiel Karten und begannen beim Schein eines winzigen Stückchen Talglichtes, das sie auf den Boden gestellt hatten, um die Schätze zu spielen, die sie noch gar nicht besaßen.