Der Wolfsbenjamin Teil 4
Friedrich Gerstäcker
Der Wolfsbenjamin
Aus den Backwoods Amerikas
Teil 4
Weiter und weiter ging er. Immer verworrener wurde das Gestrüpp, immer wilder der Wald, und nun, nun versank die Sonne dort drüben in ihrem Blätterbett. Noch immer hatte er den Wasserstreifen nicht erreicht, der ihm als Wegweiser dienen sollte, um wieder auf den Weg zu kommen. So konnte es nicht weitergehen. Wenn er jetzt genau nach Norden ging, musste er den Weg wieder finden, und jetzt konnte er noch mit seinem Kompass die Richtung genau halten, aber wenn es erst dunkel wurde, dann half ihm auch der nicht mehr, und die Sterne waren in dem Dickicht nicht zu sehen. Da aber ging der Mond auf, und mit seinem Bewusstsein schlug er ohne weiteres Zögern die nördliche Richtung ein.
Und die Sonne ging unter, aber wie schnell! So schnell hatte er sie in seinem ganzen Leben noch nicht verschwinden sehen und Weiterlesen
Der Wolfsbenjamin Teil 3
Friedrich Gerstäcker
Der Wolfsbenjamin
Aus den Backwoods Amerikas
Teil 3
Der andere Morgen kam und mit ihm ein reges Leben in die kleine Gesellschaft, denn Scipio musste schon vor Tagesgrauen auf und die Pferde füttern. Mrs. Stuart selber bereitete das Frühstück und backte noch außerdem eine Quantität Maisbrote im Vorrat, damit die Wolfsjäger etwas davon mitnehmen könnten und nicht zu darben brauchten.
Um acht Uhr etwa war alles hergerichtet. Von Questen saß schon vollständig gerüstet und wartete auf seine Begleiter, als Benjamin, der ebenfalls neben seinem Pferd stand, zu dem gerade aus dem Haus tretenden Stuart sagte: »Habt Ihr vielleicht eine Büchse, Stuart, die Ihr mir heute Abend borgen könnt? Man weiß doch nicht, was vorfällt.«
»Haben Sie denn kein Gewehr bei sich?«, fragte von Questen aufs Äußerste erstaunt, einen solchen alten Jäger in einem solchen Weiterlesen
Eine Büffeljagd
Eine Büffeljagd
Tagebuch-Erinnerungen
Aus: Die Gartenlaube Nr. 48, Jahrgang 1853
Es war in jenen Tagen, als ich mit meinem Freund Fliesberg den oberen Missouri hinaufzog, mehr als 200 deutsche Meilen von St. Louis entfernt, wohin die Spuren der Zivilisation in kaum noch erkennbaren Zügen gedrungen waren. Die Sehnsucht nach Abenteuer und ungebundenem Leben hatte uns dorthin geführt, in Gemeinschaft mit einem amerikanischen Trapper, der seit seiner Jugend in den Indianergebieten gelebt hatte und uns durch seine Kenntnis von Land und Leuten eine große Hilfe war. Wir hatten uns in der Nähe eines Indianerdorfes vom Stamme der Mandan eine Hütte gebaut, wie man sie eben zum notdürftigsten Schutz gegen Wind und Wetter braucht, und lebten dank der Vermittlung unseres Trappers mit den Indianern in freundlichstem Einvernehmen. Von dem an der Mündung des Yellowstone River in den Missouri errichteten amerikanischen Fort konnten wir, wenn Weiterlesen
Die Plauderstube – Dreimal um Mitternacht – Kapitel 1
Dreimal um Mitternacht
Eine historische Novelle
1. Das gefährliche Fenster
Es war am achten Tag des Junimondes im Jahre 1556, als nach Einbruch der Dunkelheit ein heftiges Gewitter über die Stadt Gent hereinbrach. Bald setzte heftiger Regen ein, der alle Straßen unter Wasser setzte, und alle suchten Schutz vor dem Unwetter. Während ringsum alle Bürger in ihre Häuser eilten und sich bei jedem der immer häufiger werdenden Blitze andächtig bekreuzigten, schien sich ein Jüngling allein über die wütenden Ausbrüche der zornigen Natur zu freuen, und seine sonst sorgenvolle Stirn hatte einen ihm fremden Ausdruck von Heiterkeit angenommen. Dieser junge Mann hieß Joos Claes und war, wie Weiterlesen
Der Mitternachtsritt
Der Mitternachtsritt
Eine Erzählung von Percy Bolingbroke Saint John
Aus: Chambers Edinburgh Journal. 1846.
Vor einigen Jahren, als die amerikanische Pelzgesellschaft und die Hudson-Bay-Händler in dem wilden und felsigen Gebiet des Oregon gegeneinander kämpften, wurden im Landesinneren mehrere kleine Forts errichtet, von denen aus der Pelzhandel mit den Indianern abgewickelt wurde. Eines dieser Forts, auf das sich unsere Erzählung bezieht, lag in einem grünen und abgelegenen Tal, wo Weideland für das Vieh und Komfort für die Menschen so weit wie möglich mit Sicherheit und Geborgenheit verbunden waren. Ein kleiner, von Baumwollbäumen und Espen gesäumter Bach sorgte für eine ständige Wasserversorgung, während im großartigen und prächtigen Bayou Salade in nicht allzu großer Entfernung Elche und Hirsche zu Tausenden weideten; in den Flüssen gab es außerdem reichlich Biber, deren Felle die Jäger in erster Linie dazu verleiten, die Gefahren der großen amerikanischen Wildnis auf sich zu nehmen. An diesem Ort, der Weiterlesen