Vom Staub des Wilden Westens zur universellen Hymne
Vom Staub des Wilden Westens zur universellen Hymne
Das Vermächtnis von Knockin’ on Heaven’s Door
In memoriam Torsten Low
Es gibt Lieder, die uns ein Leben lang begleiten, aber erst in den dunkelsten Momenten ihre volle emotionale Wucht entfalten. In den vergangenen Tagen lief mehrmals ein ganz bestimmter Song auf meiner Playlist. Der Anlass dafür ist ein unendlich trauriger: Der Tod meines Freundes und langjährigen Wegbegleiters Torsten Low hat eine Lücke hinterlassen, die sich nur schwer in Worte fassen lässt. Auf der Suche nach Trost, nach einem musikalischen Anker in einer aus den Fugen geratenen Welt, bin ich unweigerlich bei Bob Dylans Knockin’ on Heaven’s Door gelandet. Diese Kolumne widme ich Torsten – einem wunderbaren Menschen, der uns fehlen wird, dessen Erinnerung aber für immer bleibt.
***
Dylans Meisterwerk, das längst seinen Schöpfer überwachsen und zu einem kollektiven Kulturgut der Menschheit geworden ist, Weiterlesen
Sagen der mittleren Werra 110
Die Brabanter Gräfin am Hautsee
Einst reiste ein wohlhabender Graf aus Brabant mit seiner bildschönen Tochter in das Dorf Dönges. Er hatte vom sagenumwobenen Hautsee gehört, und da ihm die malerische Landschaft so sehr gefiel, nahm er für einige Zeit Quartier im örtlichen Gasthaus.
Der See mit seiner schwimmenden Insel übte jedoch eine magische Anziehungskraft auf die junge Gräfin aus. Sie konnte sich kaum von dem Anblick losreißen und verweilte oft bis spät in die Nacht am Ufer. Als sie eines Tages nicht mehr in die Herberge zurückkehrte, ließ ihr zutiefst besorgter Vater sogleich die gesamte Umgebung durchsuchen. Er versprach immense Belohnungen, doch seine Tochter blieb unauffindbar. Schließlich musste der Graf gebrochenen Herzens allein die Heimreise antreten.
Doch die Sehnsucht ließ ihm keine Ruhe. Immer wieder kehrte er zum Hautsee zurück und beklagte verzweifelt den Verlust seines Kindes, das er in den Tiefen des Gewässers vermutete.
Das Leid des Vaters rührte die dorfeigenen Bauern. Sie rieten ihm, ein Fest in der Nähe des Ufers auszurichten und keinesfalls die Musikanten zu vergessen. Die drei geheimnisvollen Wasserschwestern des Sees liebten den Tanz außerordentlich und würden sich Weiterlesen
Kommissar Rosic – Band 1.12
Rodolphe Bringer
Kommissar Rosic
Band 1
Der Dolch aus Kristall
Kapitel 13: Der Herr, der auf die B-14 wartete
Gegen zwei Uhr nachmittags schritt an diesem Tag ein kleiner, rothaariger Mann fieberhaft über die verlassenen Kaianlagen des Fährbahnhofs von Calais.
Er trug einen blauen Anzug, dessen weit geöffnetes Revers den Blick auf ein weißes Flanellhemd freigab. Seine feurige Mähne hatte genau die Farbe einer zu dunkel gebackenen Brioche und wurde von einer Marineoffiziersmütze bedeckt – abgesehen von einer schwarzen Seidenschnur ohne jede Abzeichen oder Borde.
Er schien kaum dreißig Jahre alt zu sein. Trotz der Schulterpolster war leicht zu erkennen, dass eine seiner Schultern höher stand Weiterlesen
Mörder und Gespenster – Band 1 – 25. Teil
August Lewald
Mörder und Gespenster
Band 1
Das geschossene Täubchen
Kapitel 1
Das Speisezimmer war angenehm durchwärmt und von appetitlichen Düften erfüllt. Die Mahlzeit, die nach Art der vornehmeren Gesellschaft auf die Abendstunden verlegt worden war, war soeben beendet. Herr von S. saß seiner jungen Gattin in trauter Zweisamkeit gegenüber.
An seinem Rock prangte ein kleines, leuchtend farbiges Band. Seine hohe Stirn wurde von feinem Haar umrahmt, das bereits zu ergrauen begann. Diese Merkmale sowie seine edlen, ausdrucksvollen Züge verliehen ihm die Ausstrahlung eines Mannes im mittleren Alter. Er besaß zwar nicht mehr die Gewohnheiten und Ansprüche der Jugend, verstand es aber dennoch zu gefallen und bewegte sich mit außerordentlichem Taktgefühl in der Gesellschaft.
Einbrecher aus Leidenschaft – Eine alte Flamme – Teil 1
I
Der Name des Platzes soll ungenannt bleiben; doch wenn man von Piccadilly aus genau nach Westen fährt, wird der Kutscher ihn schließlich auf der linken Seite finden – und er sollte einem für zwei Schilling dankbar sein. Es ist kein modischer Platz, aber es gibt wenige mit einem schöneren Garten, während die Ateliers auf der Südseite ihm eine ganz eigene Note verleihen. Die Häuser jedoch sind klein und düster – so ziemlich die letzten, die einen erfahrenen Einbrecher auf der Suche nach fetter Beute anlocken würden. Der Himmel weiß, dass ich Raffles an jenem unglückseligen Abend gegen Ende derselben Saison ohne jeden Hintergedanken dorthin schob, als Dr. Theobald endlich auf den Krankenfahrstuhl bestanden hatte, was ich von Anfang an vorausgesehen hatte. In dem besagten grünen Garten rauschten die Bäume, und die kühlen, glatten Rasenflächen sahen so einladend aus, dass ich mich fragte, ob sich nicht ein wohltätiger Anwohner erweichen ließe, uns den Schlüssel zu leihen. Doch Raffles wollte von dem Vorschlag nichts wissen, als ich anhielt, um ihn umzusetzen. Und was noch schlimmer war: Ich ertappte ihn dabei, wie er stattdessen wehmütig die kleinen Häuser betrachtete.
Deutsche Märchen und Sagen 201
Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845
279. Hildemarka
Im Soinewalde bei Brüssel, an der Stelle, wo man noch heute die Trümmer der Jackosburg sieht, wohnte vor Zeiten ein böser Waldgeist. Dieser entführte eines Tages eine Jungfrau edlen Geschlechts, die Hildemarka hieß und von ungemeiner Schönheit war. Er wollte sie zu seinem Weibe machen und sie zwingen, vor dem obersten Waldgeiste die Knie zu beugen. Doch das wollte Hildemarka nicht.
Sie sprach: »Töte mich und tu mit mir, was du willst. Ich will gerne den Tod erleiden um Christi willen.«
Bei diesem Entschluss beharrte sie auch trotz aller Zauberkünste, welche der Waldgeist anwandte, um sie zu verführen. Als er endlich sah, dass alles nichts half, versenkte er sie in einen siebenjährigen Schlaf. Nachdem diese Zeit nun um war, fragte er sie abermals: Weiterlesen

Neueste Kommentare