Archiv

Das Gespensterbuch – Zwölfte Geschichte – Teil 4

Das Gespensterbuch
Herausgegeben von Felix Schloemp
Mit einem Vorwort von Gustav Meyrink
München 1913

Nikolaus Gogol
Wij, der Fürst der Dämonen – Teil 4

Der Philosoph war allein. Erst gähnte er ein paarmal, dann streckte er sich, blies in beide Hände und sah sich endlich in der Kirche um. In der Mitte stand der schwarze Sarg. Vor den dunklen Heiligenbildern brannten Kerzen, aber das Licht erleuchtete nur den Altar und warf einen schwachen Schimmer bis in die Mitte der Kirche. Der hohe altertümliche Altar machte einen recht gebrechlichen Eindruck; das durchbrochene und vergoldete Schnitzwerk hatte nur noch an ganz vereinzelten Stellen seinen Glanz bewahrt, die Vergoldung war stellenweise abgebröckelt oder nachgedunkelt. Die Gesichter der Heiligen waren ganz schwarz und blickten sehr düster und ernst aus den Rahmen. Der Philosoph sah sich noch einmal um.

Weiterlesen →

Die Sage des Billy the Kid – Kapitel 15

Walter Noble Burns
Die Sage des Billy the Kid
Kapitel 15

In der Falle

Der Westen erlebte im Jahr 1880 die Blütezeit seiner Entwicklung. Die Tage der Planwagen waren vorbei, und die historischen Pfade von Oregon und Santa Fé gehörten der Vergangenheit an. Auf Schienensträngen strömten die Siedler nach Westen. Überall auf den einstigen Weidegründen der Büffel schossen Städte, Kirchen und Schulen aus dem Boden. Die Prärien wandelten sich in ertragreiches Farmland: Kansas, Nebraska und Dakota hatten sich zu wohlhabenden Agrarstaaten entwickelt. Der Zustrom der Einwanderer ergoss sich nach Texas, Colorado, Wyoming, Montana und weiter nach Utah, Idaho, Kalifornien sowie in die Regionen des Pazifischen Nordwestens. Land war billig, vielerorts sogar kostenlos; Wohlstand und eine eigene Farm lockten jeden, der bereit war zu arbeiten. Mit verlockender Stimme rief der Westen Mittellose wie Reiche, Investoren wie Arbeiter zu sich. Es war das letzte große Schlaraffenland dieses Kontinents, und westlich des Missouri herrschte reine Aufbruchstimmung.

Weiterlesen →

Die Jesse James Storys – Band 1 – Kapitel 8

W.B. Lawson
Die Jesse James Storys – Band 1
Jesse James, der Outlaw
Kapitel 8
Ein erbitterter Kampf mit den Gesetzlosen

»Hände hoch! Runter von der Lokomotive, oder meine Kugel landet in deinem Herzen! Wo ist der Expressbote?«

Die Worte klangen scharf und explosiv. Die Stimme gehörte Jesse, dem Gesetzlosen. Unser Zug war soeben durch ein falsches Signal im Red Cut zum Halten gebracht worden. Als wir aus den Waggonfenstern spähten, konnten wir die Räuber sehen: Einige waren abgesessen, andere saßen noch im Sattel. Sie drängten sich zu beiden Seiten der Gleise, während sich hinter ihnen die steilen Felswände des Einschnitts erhoben. Die Abenddämmerung brach rasch herein.

»Schnell – ihr Kerle, die ich genannt habe!«, rief Timberlake mit heiserem Flüstern. »Nach vorn, Colonel Jake! Craig kümmert sich Weiterlesen →

Band 1 – Buffalo Bill, der Grenzlandkönig – Kapitel 24

Die Geschichten von Buffalo Bill
Originelle Geschichten von Buffalo Bills Abenteuern
Nummer 1
Buffalo Bill, der Grenzlandkönig
Eine Geschichte von Daring Deeds

Kapitel 24

Die Flucht

Die gigantische Gestalt des Wahnsinnigen, die durch seine dicken Felle und die hohe Wolfsfellmütze noch massiger wirkte, machte ihn zusammen mit seinem wild umwucherten Gesicht zu einem furchteinflößenden Gegner, den nur wenige Männer herauszufordern gewagt hätten.

Buffalo Bill hätte ihn zweifellos auf der Stelle niederstrecken können. Doch in seiner Natur lag zu viel ritterlicher Anstand, als dass Weiterlesen →

Professor Zamorra – Das Schloss der Dämonen

Professor Zamorra
Band 1
Das Schloss der Dämonen
Von Robert Lamont (Susanne Wiemer)
Bastei Verlag, erschienen am 02.07.1974

Fackelschein geisterte über die Wände. Feuchte, modrige Kälte hing in der Luft, der Geruch nach Leder, rostigem Eisen und nassem Gestein. Dicht vor dem Gesicht des Mannes loderte eine Pechfackel, beleuchtete seine schweißnasse Stirn, die zuckenden Lippen, die verzerrten Züge.

Der Mann lag ausgestreckt auf einer Holzpritsche, die Arme über den Kopf gehoben. Breite Lederriemen fesselten seine Hand- und Fußgelenke, ein dickes Tau lief von den Fesseln über eine altmodische Winde, und das Seil war straff gespannt. Der Mann keuchte. Den breitschultrigen, muskulösen Hünen, der die Winde bediente, konnte er nicht sehen. Aber er hatte das Schaben gehört, das nervenzerfetzende Quietschen, und in seinem gemarterten Schädel schien sich das Geräusch fortzupflanzen, bis es sich wie ein Weiterlesen →